Foto: Ronny Küttner/photoron

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Fotograf rückt Künstler aus ganz Sachsen in den Fokus

Der Annaberg-Buchholzer Künstler Jörn Michael hat mehr als 100 Porträts in einem Fotografie-Band veröffentlicht. Er besuchte dafür Bildhauer, Maler, Musiker und viele andere in ganz Sachsen. Doch dabei belässt er es nicht.

Annaberg-Buchholz.
Annaberg-Buchholz - Es ist selten, dass er einen farblichen Akzent in seinen Fotografien zulässt. Der Annaberg-Buchholzer Künstler Jörn Michael fotografiert in Schwarz-Weiß. „Da lenkt nichts ab“, sagt er. Für seinen aktuellen Porträt-Band „Fokus“ hat er Musiker, Maler, Bildhauer und andere Kunstschaffende in ihrem Umfeld aufgesucht. Entstanden ist ein Werk mit mehr als 100 Porträts aus der Kunstszene Sachsens. Viele von ihnen haben ihre Atelier- oder Werkstatttüren für Jörn Michael geöffnet. Das reicht vom Dresdner Bildhauer Kristof Grunert über den Chemnitzer Künstler Jan Kummer bis zu Designer Gerd Kaden, ehemaliger Dekan der Fakultät Angewandte Kunst in Schneeberg. Auch Liedermacher Gerhard Schöne hat er porträtiert, ebenso Matthias Grünert, den ersten Kantor der Dresdner Frauenkirche. Jörn Michael zeigt Handschuhmacher Nils Bergauer in Schneeberg bei der Arbeit, die Auerbacher Blütenbild-Künstlerin Christiane Schlüssel umgeben von zig winzigen Pflanzenteilen. „Er holt die Dynamik einer Drechselbank ebenso in seine Porträts hinein wie den faszinierenden Spannungsmoment während des Druckens an einer Radierpresse oder die hohe Konzentration bei einem Scherenschnitt“, schreibt Alexander Stoll im Vorwort. Stoll ist unter anderem als Kurator in der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz tätig. Der Porträt-Band von Jörn Michael ist das Ergebnis einer jahrelangen Dokumentation. „Ich fotografiere, wenn ich mit den Menschen im Gespräch bin“, erzählt der Buchholzer. Er verzichtet auf zusätzliches Licht. „Das, was da ist, muss ausreichen. Ich will nichts stellen“, sagt er. Neben Porträts zeigt er Arbeitsplätze aus der Vogelperspektive. Ein anderer Blick auf künstlerisches Schaffen. Sein eigenes hat früh begonnen. In Annaberg-Buchholz aufgewachsen, studierte er später unter anderem Soziologie, Psychologie und Kunstpädagogik in Dresden. Seit 2002 wieder in seiner Heimatstadt, gehören zum Beispiel Aquarelle, Radierungen und Linolschnitte zu seinem Werk. Bekannt ist er auch dafür, dass er Strukturen auf gebrauchten Kuchenpappen für seine Kunst nutzt. Die Fotografie war zeitig Teil seines Lebens. „Mein Großvater hat fotografiert, mein Vater auch. Fotografie war immer ein Thema“, sagt der 50-Jährige. Bereits als Kind griff Jörn Michael zur Kamera. Als später digitale Technik aufkam, habe er sich lange dagegen gewehrt. Schließlich stieg er doch um. Aber den Fotoapparat seines Großvaters – den hat er immer noch. Die ersten Porträt-Aufnahmen entstanden noch mit analoger Technik. Er begann, den Tannenberger Künstler Carl-Heinz Westenburger in seinem Atelier zu fotografieren. Solch frühe Porträts sind auch im Band „Fokus“ zu sehen. 2008 verstorben, gehörte Westenburger laut der Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst zu den prägendsten Künstlern seiner Generation im Erzgebirge und der Chemnitzer Region. Den Band „Fokus“ zum Preis von 29 Euro hat der Verein Kunstkeller Annaberg herausgegeben. 2025 erschien eine erweiterte Auflage, ISBN 978-3-00-082276-6. Mehr über Jörn Michael ist in der Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen zu finden. (aho) Kontakt Kunstkeller: 03733 42001


Annett Honscha /> Freie Presse Annaberg
vom 28.02.2026